Kryptowährung: Bitcoin, Litecoin und Altcoins

In diesem Artikel möchte ich mich kurz mit den derzeit verbreitetsten Kryptowährungen: Bitcoin, Litecoin und den sog. Altcoins befassen Die Idee einer digitalen- bzw einer kryptographischen Währung ist schon viele Jahrzehnte alt. Allerdings kann man sagen, dass diese Währungen die ersten Kryptowährungen darstellen, die eine nennenswerte Verbreitung haben. Bitcoin ist dabei noch herauszustellen, da ein direkter Wechsel in konventionelle Währungen auf mehreren Plattformen angeboten wird. Die meisten anderen Kryptowährungen werden i.d.R. in Bitcoin gewechselt und Ihr Kurs hängt vom Bitcoin Kurs hab.

Bitcoin: Eine Kurze Übersicht

Bitcoin gibt es inzwischen schon 5 Jahre und den bisherige Höhepunkt des Geldkurses hatte die Währung im November 2013, als der Kurs von weniger als 10USD/BTC auf mehr als 1000USD/BTC stieg. Seitdem ist der Kurs wieder gesunken und Bitcoin, sowie dessen Alternativen haben Kurse, deren Schwankungen sehr viel Ähnlichkeit mit den “üblichen” Schwankungen konventioneller Währungen haben.

Es gab in den letzten Jahre, vor allem vor den Problemen in den letzten 6-7 Monaten einen großen Hype um Bitcoin-Mining, aber auch die Tatsache, dass eine Bitcoin ( im Folgenden auch stellvertretend für Litecoin und Altcoins genannt ) einige Probleme löst, die unsere derzeitigen Währungssysteme nicht in den Griff bekommen. Wer mit den Ideen bzw den Hintergründen nicht vertraut ist, möchte ich noch einmal auf die Wikipedia-Artikel Kryptowährung und Bitcoin verweisen. Dort sind alle relevanten Hintergründe zu finden.

Ich möchte mich in diesem Artikel kritisch mit diesen Vorzügen bzw Merkmalen von Kryptowährungen beschäftigen die wie Bitcoin implementiert sind. Meines Wissens umfasst dies nahezu alle o.g. Kryptowährungen.

Defizite von Bitcoin und Co.

Im folgenden möchte ich kurz eine Übersicht über einige der Probleme geben, die aus der Implementierung von Bitcoin und Co. entstehen.

Um das double-spend Problem zu lösen hat Bitcoin Transaktionen mittels Block-Chain in einem peer-to-peer Ansatz implementiert. Dazu kommt, dass eine vorgegebenes Limit an Einheiten, die jemals entstehen können. Auf beide Aspekte werde ich noch einmal eingehen. Des weiteren gibt gibt es das sog. “frozen coins”-Problem. Wenn jemand den Zugriff auf seine Bitcoin-Wallet verliert ( Kennwort vergessen, Datenverlust oder jemand Stirbt ), ist das Geld verloren, und somit sinkt faktisch die Anzahl der existierenden und verfügbaren Bitcoins. Daraus lassen sich einige konzeptionelle und auch technische Probleme ableiten

Technische Defizite

  • Durch die Schwierigkeit Bitcoins zu minen, werden fast nur noch Mining-Pools verwendet. Dieser machen der 51%-Angriff Problem zu einer reellen Gefahr. Sowohl bei Bitcoin, als auch bei Litecoin ist es derzeit so, dass die beiden größten Mining-Pools weit mehr als 60% der Ressourcen betreiben. Entgegen des Verständnisses vieler Benutzer, benötigt man für den 51%-Angriff eher 35-40% und nicht 51% der Rechenleistung.
  • Der stetig wachsende Speicherbedarf der Blockchain ist ein weiteres Problem. Trotz einer, im Vergleich zu echten Währungsystemen geringen Transatkionsrate, wuchs der Speicherbedarf allein 2013 von 8,8 auf 12,6 GByte. Somit ist das Speichern der Kette für viele Geräte nicht mehr praktikabel. Derzeit müsste jede Teilnehmer ca 25MByte täglich runterladen.
  • Es gab bereits mehrfach Softwarefehler die zu einem Verlust bzw einer fehlerhaften Überweisung von Millionen von Bitcoins geführt haben.
  • Die Tatsache, dass eine feste Zahl von Bitcoins existiert, und es das “frozen coin” Problem gibt, muss langfristig zu einer immer größeren Verringerung der Anzahl der Geldeinheiten führen. Dies hat zur Konsequenz, dass die Anzahl der Bitcoins irgendwann sehr stark abgenommen haben wird und die Währung somit deflationär oder u.U. sogar hyperdeflationär ist.
  • Die Bitcoin miner haben eine eingebaute Präferenz für Transaktionen die eine Gebühr zahlen. Dies ist für die Miner die einzige Einnahmequelle, sobald alle Coins generiert wurden. Dies hat aber zur Folge, dass langfristig ein erheblicher Teil aller Bitcoins an die Miner fließt. Und zwar proportional zur Nutzung der Währung. Wenn diese also ein Erfolg wird, wird sich immer mehr Geld bei den Minern konzentrieren.
  • Bitcoin ist nicht anonym, sondern pseudonym. Es gibt allerdings schon seit Jahrzehnten Ansätze, wie man eine Anonyme Währung konzipieren kann, die trotzdem Strafverfolgung zulässt.
  • Aus Sicherheitsperspektive möchte ich noch anmerken, dass es ein merkwürdiges Gefühl hinterlässt, wenn ich bedenke, dass fast alle Kryptowährungen Methoden nutzen, auf denen Sicherheit in der IT beruht. Dazu gehört sowhl SHA, als auch scrypt. Es ist schon merkwürdig, dass wir Millionen Geräte zusammen derzeit 55,062,595 GH/s (SHA2 BHitcoin) und ca 190GH/s (Scrpyt Litecoin ) berechnen.

Defizite als Währung

  • Durch den Ansatz der Blockchain ist eine Transaktion niemals endgültig bestätigt. Zwar kann man von einer hohen Wahrscheinlichkeit ausgehen, wenn eine bestimmte Anzahl an Bestätigungen vorhanden sind, aber konzeptionell, könnte ein ausreichend Großer Pool nach langer Zeit eine längere Blockchain veröffentlichen und somit alle Transaktionen auch von langen Zeiträumen ungültig machen. (Sieh 51% Problem/Angriff)
  • Verzögerung. Durch das Warten auf die mehrfache Bestätigung von Blöcken, sind schnelle Transaktionen mit Bitcoin nicht möglich.
  • Die Tatsache, dass alle Transaktionen für von allen für alle Öffentlich sind, macht das System eigentlich nicht für relevante bzw persönliche Transaktionen unbenutzbar. Es wäre so, als wenn man alle Kontoauszüge aller Personen für Jeden zugänglich machen würde. Sobald man von einem Kauf auf ein Persönlichkeitsmerkmal schließen könnte, ist das ganze Bitcoin System aus Datenschutzsicht nicht mehr tragbar.
  • Auch die Nutzung einer Vielzahl von Pseudonmyen hilft dabei nicht weiter, weil man alle eingehenden und ausgehenden Transaktionen veröffentlicht. Und das Geld so auf irgendeinen Weg von Pseudonym1 zu Pseudonym2 gelangen muss.
  • Bitcoin ist den selben Gefahren ausgesetzt, wir konventionelle Währungen. Dazu gehören Kursmanipulation, und Insiderjobs ( siehe Fall Mt. Gox.

Soziale Defizite

Viele Nutzer oder Befürworter von Bitcoins loben stets die sozialen Vorteile, gerade nachdem in den letzten 2 Jahrzehnten die Defizite der “echten” Geldsysteme immer bekannter werden. Im folgenden möchte ich Bitcoin auf sozialen Nutzen bzw auf soziale Defizite untersuchen.

  • Mining auf Basis von Rechenleistung ist unsozial, da diese nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt ist, sondern sich bei großen Konzernen oder privaten Personen mit hoher Liquidität für Investitionen sammelt. Dies wird besonders klar, wenn man sich klar macht, wer Zugriff zu ASIC-Hardware oder Graphikkarten im Wert von mehr als 5000€ hat.
  • Die Tatsache, dass die Priorität von Transaktionen von der Höhe der Gebühren abhängt ist offensichtlich unsozial und unfair gegenüber jenen, die keine oder nur geringe Gebühren zahlen wollen oder können.
  • In der Praxis hat sich gezeigt, dass alle Kryptowährungen an Börsen gehandelt werden und das Geld dort teilweise auch hinterlegt wird, um mit Kurswechseln Geld zu verdienen. Somit haben wir sowohl Banken, als auch Börsen und auch bei Kryptowährungen haben diese eine ähnliche Macht und verlangen Gebühren, die wir im Alltag Wucher nennen würden.
  • Auch die Gebühren für den Wechsel von Kryptowährungen sind so hoch, dass auch hier eine Regulierung und keine Privatisierung sinnvoll wäre.
  • Viele Anhänger von Bitcoins loben den dezentralen Ansatz und somit die Abhängigkeit von Banken und oftmals auch von Regulatierung. Ich möchte Allerdings zu bedenken geben, dass unsere bisherigen Wirtschaftskrisen und Probleme mit Währungen auf Privatisierung und somit Deregulierung und nicht auf Regulierung beruhten. Somit machen wir mit Bitcoin, das Gleiche, wie in der Finanzwirtschaft: Auf Probleme durch Deregulierung reagieren wir mit Deregulierung.
  • Bitcoin Mining erzeugt einen unvorstellbaren Stromverbrauch, den man als ökologische Katastrophe bezeichnen kann. Zwar gibt es für SHA-2 und Scrypt sparsamere ASIC Hardware, allerdings widerspricht dies anderen Konzepten und verschlimmert andere bereits genannte Aspekte. Somit ist das Mining mit Graphikkarten und CPUs auch noch lange eine relevante Größe, was den Stromverbrauch wohl noch weiter steigen lassen wird.
  • Mining-Pools sind undemokratisch, selbst wenn eine Stimmvergabe per Rechenleistung demokratisch wäre, da man sein Stimmrecht i.d.R an den Pool übergibt und somit nur noch die Rechenleistung erbringt.

Fazit

Meiner Meinung nach sind Bitcoin, Litecoin und alle bisherigen Altcoins als Währung absolut unbrauchbar. Man kann sie als ersten Versuch interpretieren, auf dem man weiter aufbauen kann. Leider wiederholen wir so ziemlich alle Fehler, die wir mit den bisherigen Geldsystemen gemacht haben, allerdings gibt es zuküngig vielleicht bessere Implementierungen für Kryptowährungen, die dann vielleicht sogar irgendwann auch in der Praxis nutzbar und den konventionellen Währungen sogar überlegen sind.

Quellen

Dennis Sivia

Dennis Sivia
I am passionate about technology and especially having a lot of fun with functional programming and computer science.

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